Weitere physikalisch-chemische Methoden

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Endox

Das Gerät "schiesst" hochfrequente, sehr kurze elektrische Pulse ab. Das Ziel ist es, durch die hohe Temperatur Gewebe zu verdampfen. Als Nebeneffekt wird die Entstehung von Ozon und die Emmision von UV-Licht durch den Lichtbogen beschrieben. Die erreichte Temperatur wird mit ca 300°-500° C angegeben. Es stehen eine Reihe von Elektroden verschiedener Durchmesser zur Verfügung. Die Pulsdauer und Spannungstärke sowie die Frequenz wird nach dem Volumen und der Masse des zu behandelnden Zahnes berechnet. Dazu hat das Gerät bereits vorgegebene Werte einprogrammiert.

Gleichzeitig ist ein Apexlocator integriert, welcher bei AL -1mm kalibriert ist. Überschreitet man diesen Punkt, werden Sicherheitsschaltungen aktiv und verhindern ein Auslösen des Pulses.


Es existiert sehr wenig Literatur zu diesem Gerät. Die zwei interessantesten Arbeiten sind unten vermerkt. Lendini et. al. kommen zu dem Schluss, dass das Endox-Gerät alleine keine befriedigende Säuberung des Kanalsystems bewirkt. Als Supplement zu einer mechanischen Aufbereitung kann es nützlich sein. Auch Haffner kommt in seinem Artikel aus dem Jahre 1999 zu ähnlichen Schlüssen. Um diese Methode abschliessend beurteilen zu können, steht zu wenig Literatur zur Verfügung.

Im Rahmen einer Disserationsarbeit hat Harald Vögele verschiedene Parameter im Hinblick auf die klinische Anwendung von Endox untersucht.


Literatur: Haffner, Benz, Hickel: Das Endox-Endodontiesystem: Weitere Laborergebnisse und erste Klinische Resultate ZWR 108,11:670-674

Lendini, Alemanno, Miglaretti, Berutti: The Effect of high-frequency electrical pulses on organic tissue in root canals IEJ 2005,38: 531-538

Depot-Ionophorese

Die Idee dieses Verfahrens beruht auf den Effekten Elktroosmose und Ionophorese. Der Gedanke dahinter ist folgender: da nicht alle Anteile des Kanalsystems mechanisch erreichbar sind, muss man dafür sorgen, dass das Desinfiziens in einer ausreichend hohe Konzentration über einen ausreichend langen Zeitraum zum Tragen kommt. Als Haupteffekt im Kanal ist die Diffusion zu nennen. Diese ist aber bei den meisten Stoffen sehr langsam und dauert sehr lange. Nun kann es sein, dass bevor das apikale Drittel erreicht wird, die aktiven Bestandteile des Desinfiziens bereits verbraucht sind und von koronal her keine mehr nachdiffundieren können. Dieser Effekt könnte dafür verantwortlich sein, dass es trotz grösster Bemühungen es nicht geschafft wird, apikale Granulome zum Ausheilen zu bringen. Man darf nicht vergessen, dass die Untersuchungen von Knappwost zu einer Zeit abliefen, in denen das Wort "Biofilm" nicht unbedingt zum Alltag in der konservierenden Zahnheilkunde gehörten. Druch die Zugabe von OH- Ionen und Applikation eines Gleichstromes kommt es zu einer "Strömung" im Kanal. Die von den OH- Ionen zurückgelegte Wegstrecke ist dabei mit der Ionophorese um etliche 10er-Potenzen höher als alleine durch Diffusion. Kommen diese zum apikalen Delta, wird der Effekt durch die Elektroosmose verstärkt. Die OH- Ionen strömen dabei durch alle Seitenkanäle gleichmässig. Das Cupralhydroxid ist als Langzeitdesinfektionsmittel zugesetzt. Beim Kontakt mit dem Gewebe fällt Zweiwertiges Kupfer unmttelbar am Kanalausgang aus, da der für den Weitertransport benötigte Strom zusammenbricht. Dieses Zweiwertige Kupfer besitzt eine bakterizide Wirkung und behält es lange Zeit bei. Die Gewebszersetzende Wirkung beruht auf zwei Prinzipien. Die Fette im Kanal werden durch das OH- Ion verseift und durch die Ionophorese aus dem Kanal getrieben. Die Proteinbestandteile des Kanalinhaltes werden alkalisch proteolysiert und ebenso druch die Ionophorese aus dem Kanal getrieben [2]

Die Beurteilung dieser Methode ist schwierig, da nicht ausreichend Untersuchungen vorliegen. Alle Untersuchungen wurden in vitro durchgeführt. Es gibt keine vergleichenden klinischen Studien, die aussagekräftig wären. Diese Tatsache macht eine klinische Beurteilung fast unmöglich. Allerdings sind viele Fallbeschreibungen von niedergelassenen Praktikern bekannt, die beachtliche Erfolge ermöglichen. Leider besitzen diese Aussagen nur die niedrigste Evidenzstufe.

Literatur:

[1]Die Grundlagen des Depot-Ionophoreseverfahrens Dtsch Zahnarztl Z. 1953 Apr 1;8(7):339-7

[2]Zur Aufbereitung nicht voll zugänglicher Wurzelkanäle durch Depot-Ionophorese mit äusserer Spannungsquelle Dtsch Zahnarztl Z. 1979 Jun;34(6):477-9

[3]Die Wurzelkanalbehandlung als physikalisch-chemisches Problem Dtsch Zahnarztl Z. 1955 May 15;10(10):756-66

RinsEndo

Das RinsEndo it ein neuartiges Gerät zur Wurzelkanalspülung. Dabei wird die Spülösung mit Druck über eine Kanüle in den Kanal apliziert.


Laser

In der Vergangenheit wurden mehrere Versuche unternommen, Laser in der Endodontie einzusetzen. Es ist unumstritten, dass alle in der Zahnheilkunde verwendeten Wellenlängen ein bakterizides Potential bestizen. Studien belegen die Fähigkeit von CO2, Er:YAG und Nd:YAG-Lasern, den smear layer nach einer mechanischen Wurzelkanalaufbereitung zu entfernen. Ein weiterer Ansatz besteht darin, die Wurzelkanalwand zu "verglasen" und somit ein Diffusionshindernis für Bakterien und deren Toxine auf zu bauen.

Leider gibt es mehrere Probleme in Hinsicht auf den Einsatz von Lasern in der Endodontie. Es ist nicht überschaubar, welche Bereiche der Kanalwand tatsächlich vom Laser bestrahlt werden. Bis zu Erfindung der "side-firing"-Faser war es nur möglich, nach apikal, dem Austrittspunkt des Laserlichts aus der Faser, zu feuern. Dabei bestand die Gefahr, auch das weitere perapikale Gewebe zu bestrahlen, was mit mehr Schaden als Nutzen zusammengehen kann.

Im Moment konzentriert sich die Forschung auf das Entfernen des smearlayers, um den Desinfektionsmittel einen besseren Zugang in die Dentitubuli zu ermöglichen.

In der chrirugischen Endodontie wurde der Laser zur Versiegelung der Wurzeloberflächen benutzt. Die "in-vitro"-Versuche waren erfolgsversprechend. Weitere Studien zeigten bei Farbpenetrationsversuchen keinerlei Unterschiede zwischen konventioneller retrograder Füllung und dem Einsatz des Lasers. Eine Prospektive Stuide mit 320 Fällen hat keinen Vorteil oder eine bessere Heilung bei der Benutzung des Lasers festgestellt. Der Haupteinsatzzweck besteht in einer besseren Hämostase und den anderen Vorteilen der Laserapplikation in der Zahnheilkunde.

Ob sich die Investition allein für die Endodontie trägt, sei zu bezweifeln. Es gibt keine Studie, die einen eindeutigen Vorteil für den Einsatz des Lasers in der Endodontie aufzeigt.


Ein guter Übersichtartikel:

[1] Stabholz, Sahar-Helft, Moshonov Lasers in endodontics Dent Clin N Am 48 (2004) 809-832

Ozon

Hems 2005 [1]

Elektrolytisch aktiviertes Wasser

Ursprünglich kommt das Konzept dafür aus Russland. Russischen Wissenschaftlern ist es gelungen, einen Apparat herzustellen, welcher normales Leitungswasser in eine antibakteriell wirksame Substanz zu transformieren vermag. Der Prozess dafür ist relativ einfach zu erklären. Normales Wasser wird mit normalen Speisesalz vermischt. Die antibakterielle Wirung scheint mit der Konzentration der Salzlösung zu korrelieren. Dann wird diese Salzlösung durch ein "Durchfluss-Elektrolyse-Modul" geleitet, in dem die Lösung in die zwei unterschiedlichen Substanzen, Anolyte und Catholyte, überführt wird. Diese beiden verscheidenen Flüssigkeiten sammeln sich jeweils an den korresponierenden Elektroden, Anolythe an der Anode, Catholythe an der Kathode. Die Wirkmechanismen und Zusammensetzung der beiden Lösungen sind bei weitem nicht verstanden oder erforscht worden. Es handelt sich um eine einzigartiges Gemisch von Ionen, welches sich in einem metastabilen Zustand befindet. Nach ca. 48h geht diese metastabile Lösung dann in den stabilen Zustand über und verliert die Wirkung.

Leider gibt es in der westlichen Literatur keine Studien. Alle verfügbaren Studien stammen aus der GUS (ehemals UdSSR). Dort wird die Lösung als sehr wirksam gegen Bakterien, Pilze und Viren beschrieben. Es wird in Krankenhäusern zur Desinfektion der Infrastruktur, aber auch zur Wundsäuberung benutzt. Es exisitiert eine Studie, in der man die Patienten grössere Mengen der Substanz ohne Nebenwirkungen hat trinken lassen. Diese Technik wird in der Land- und Wasserwirtschaft schon seit längeren zur Desinfektion benutzt.

Ob diese Technik in die Endodontie Einzug halten kann, ist noch nicht sicher zu beanworten. Da die Fachwelt im Moment auf der Suche nach potenzielleren Desinfektionsmitteln ist als Calciumhydroxid oder NaOCl, scheint diese Methode viel Erfolg zu versprechen. Die Substanzen sind sehr antibakteriell wirksam bei gleichzeitiger ausgesprochener Gewebsfreundlichkeit. Sollte sich diese Methode duchsetzten und die Hoffnungen erfüllen, wäre das ein grosser Schritt für die Endodontie. Man wäre von dem Dilemma befreit, sich gegenseitig inhibierende Subsantzen (NaOCL, EDTA) zur Spülung zu benutzen.

Die Technik zur Herstellung ist sehr einfach und nicht kostspielig. Wasser und Salz sind in beliebigen Mengen verfügbar.

Leider gibt es wenige Untersuchungen, die mit dem ursprünglichen russischen Design zur Herstellung arbeiten. Die Studien aus Japan wurden mit japanischen Geräten durchgeführt, denen eine spezielle Keramikmembran aus dem russischen Design fehlt. Somit ist die Vergleichbarkeit der russischen Studien mit den japanischen anzuzweifeln.

Die wenigen Studien, die es gibt, geben allerdings einen Trend zur Eignung der Substanzen wieder. Vor allem Catholyte wirken erfolgsversprechend antibakteriell bei gleichzeitiger "SmearLayer"-Entfernung und guter Gewebsverträglichkeit,sowie geringerer Alteration der Dentinstrukutr im Kanal.

Die weitere Entwicklng sollte genau verfolgt werden.

Lit:

Gulabivala, Stock, Lwsey, Ghori, Ng, Spratt: Effectiveness of electrochemically activated water as an irrigant in an infected tooth model IEJ 37:2004;624-631 [2]

Marais: Cleaning efficacy of a new root canal iriigation solution: a preliminary evaluation IEJ 33:2000;320-325

Hata, Hayami, Weine, Toda: Effectiveness of oxidative potential water as a root canal irrigant IEJ 34:2001;308-317

Endoactivator

Ein neuartiges Gerät zur Aktivierung von Spülflüssigkeiten. Die Aufsätze bestehen aus Nylon und sind in drei verschiedenen Grössen verfügbar. Das Gerät schwingt mit 2kHZ, 5kHz und 10kHz. Es gibt nur diese drei Einstellungen. Betrieben wird dieses Gerät durch eine AA-Batterie. Es gibt noch keinerlei Studien über die Effizienz dieses Gerätes. Als grosser Vorteil wäre zu nennen, dass keinerlei iatrogene Kanaltransportationen, Stripperforationen, Zips oder Ledges zu erwarten sind. Ob die Effizienz über dem des Ultraschalls liegt, muss noch bewiesen werden.


Meine ersten subjektiven Erfahrungen (FS) :

1. Der Nylon "Faden" scheint den Kanal nicht zu verlagern oder zu traumatisieren.

2. Mir scheint, dass wesentlich häufiger Seitenkanäle gefüllt werden können.

Literatur dazu ist mir nicht bekannt, habe jedoch gehört, dass Untersuchungen (z.B. Uni Leyden) laufen.

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Photoaktivierte Desinfektion (PAD)