Ausbreitung in radikulären Dentinkanälen

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Während mehr als 700 Mikroorganismen in der Mundhöhle bekannt sind, ist die Zahl der Bakterien, die in Dentintubuli nachgewiesen wurden, deutlich kleiner (Kantz WE 1974 [1]). Gram - positive Spezies mit einem relativ hohem Anteil an obligaten Anaerobiern (Veillonella sp., Propionibakterium sp., Eubacterium sp. etc.) dominieren. Pilze wurden ebenfalls nachgewiesen (Sen BH 1995 [2] , (Siqueira JF 2002 ).

Bildmaterial zur Biofilmausbreitung findet sich unter dem Link des CBE: [3]

Die Anzahl der Dentintubuli ist koronal (45000/qmm) höher als apikal. Der Durchmesser der Tubuli liegt zwischen 2.5 Mikrometer und 0.9 Mikrometer. In Relation dazu hat ein Streptococcus einen Durchmesser von bis zu 0.7 Mikrometer. Altersbedingt lagert sich zunehmend intra-tubuläres Dentin ab. Sklerotisierte und obliterierte Tubuli, die mit dem Alter zunehmen und sich gehäuft apikal befinden, sind ein Hindernis für eine Bakterieninvasion (Nalbadian J 1960). Dies ist ein mögliches Argument gegen eine weite apikal Aufbereitung in diesem Bereich. Eine Entfernung des smear layers erhöht die Bakterienpenetration in die Tubuli (Olgart L et al 1974, Vojinovic O, 1973).

Bei der Bakterienausbreitung in das Dentin spielen die Fähigkeit zur Adhäsion [4] (Love 2002) und die limitierte Versorgung mit bakteriellen Nährstoffen in den Dentinkänälchen eine Rolle [5]. Die Eigenbeweglichket der Bakterien spielt dagegen keine große Rolle, da auch nonmotile Spezies in den Tubuli zu finden sind.

Von der E.faecalis-/-faecium Gruppe ist auch eine Ausbreitung als Monokultur in die Dentinkanäle bekannt.

Neben histologischen Untersuchungen gibt es prinzipiell noch die Möglichkeiten, Kulturen z.B. aus Bohrmehl von endodontischen Instrumenten anzulegen und PCR - Studien durchzuführen (Polymerasekettenreaktion).

Eine Arbeit von Peters kommt zu dem Schluß, daß trotz einer Besiedlung von Tubuli in 50-90% von nekrotischen Zähnen, diese Bakterien den Erfolg einer Wurzelbehandlung nicht gefährden ([6]Int Endod J. 1995 Mar;28(2):95-9.The fate and the role of bacteria left in root dentinal tubules.Peters LB, Wesselink PR, Moorer WR).

In 50-80 % ist das Dentin bei nekrotischen Zähnen bakteriell besiedelt (u.a.Baumgartner JC 1991). Die Besiedlung kann einzelne Tubuli betreffen, während gleichzeitig Nachbartubuli unbesiedelt bleiben (Ando A 1990). Sen [7] hat eine Eindringtiefe von 10 bis 150 Mikrometer gemessen. Siqueira (2002, [8]) hat bis zu 300 Mikrometer Eindringtiefe und Valderhaug (1974) eine Besiedlung des gesamten Wurzelquerschnitts beobachtet.